Helfen als Widerstand

Gisèle Guillemot
Zitate
2002

Gisèle Guillemot war ab ihrem 18. Lebensjahr im Widerstand in Frankreich. Die kommunistische Widerstandsgruppe, der sie angehörte, verbreitete Flugblätter und beteiligte sich an Sabotageakten gegen die Nazis. Mit 21 Jahren wird Gisèle Guillemot von der Gestapo verhaftet und deportiert. In einem Interview von 2002 spricht sie über den Widerstand und die Solidarität unter den politischen Gefangenen in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Mauthausen.

Auf Basis des „Nacht und Nebel“-Erlasses von 1941 wurden des Widerstandes verdächtigte Personen aus dem besetzten Frankreich und anderen besetzten Ländern in das „Deutsche Reich“ deportiert. Dort verurteilte man sie zu Tode oder verschleppte sie ohne Urteil in Konzentrationslager. Gekennzeichnet mit dem Attribut „Nacht und Nebel“ war diesen Gefangenen der Schriftwechsel im KZ untersagt. Ihr spurloses Verschwinden sollte die Bevölkerung der besetzten Länder in Angst und Schrecken versetzen.


Zitate Gisèle Guillemot

NN – „Nacht und Nebel“

Ich war „NN“, das bedeutete „Nacht und Nebel“. Es war eine Gruppe von Leuten, die dazu ausersehen waren zu verschwinden. Ich habe viel Glück gehabt, NN gewesen zu sein. Natürlich liefen wir immer Gefahr, hingerichtet zu werden, aber in Ravensbrück hatten sie einen NN-Block geschaffen. In diesem Block gab es nur Widerstandskämpferinnen, Französinnen und Belgierinnen, und wir sprachen die gleiche Sprache. Das war in Ravensbrück wahnsinnig wichtig, weil, ich weiß nicht, wie viele Nationalitäten es dort gab. Man sprach über 20 Sprachen.

Solidarität im Lager

Der ganze Block beteiligte sich an der Solidarität. Das bestand darin, jede Woche eine unserer Rationen herzugeben, weil wir pro Tag ein Stück Brot, schwarzen Kaffee und dann eine Suppe bekamen. Ganz am Anfang erhielten wir noch einmal in der Woche einen Sack mit fünf oder sechs Erdäpfeln drinnen, so im Wasser gekocht. Aber die Brot-Ration verkleinerte sich zusehends, je weiter die Alliierten vorrückten. Folglich war die Solidarität hart.

Aber das war sehr organisiert. Eine Gruppe kümmerte sich um das Einsammeln, die andere um die Verteilung und es wurde unter den Schwächsten aufgeteilt. Es war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nichts Lebensrettendes. Aber psychologisch war es sehr wichtig, für die Geberinnen, die das Gefühl hatten, menschlich zu bleiben und Teil einer Gemeinschaft zu sein, und dann für die Empfängerinnen, die den Eindruck hatten, nicht verlassen zu sein. Es war wirklich sehr wichtig.

Außerdem bestand die Solidarität nicht nur darin zu geben, was man nicht hatte, es war eine Solidarität im alltäglichen Umgang. Wenn eine unserer Kameradinnen sich zum Beispiel nicht mehr waschen ging, weil sie physisch und psychisch am Ende war, sagten wir zu ihr: „Du musst Dich waschen, kannst Dich nicht so gehen lassen. Los, komm!“ Wir nahmen sie mit in den Waschraum. Wir zwangen sie, sich zu waschen und zu frisieren. Wir bauten ihre Moral wieder auf.


Biografie Gisèle Guillemot


Quelle
Gisèle Guillemot im Gespräch mit Julia Montredon (Audio- und Video-Interview)
1. August 2002, Seillans, Frankreich
Originalsprache Französisch
Transkript: Deutsche Übersetzung von Karin Stoegner


Archiv
Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
AMM OH/ZP1/331


Literatur

Gisèle Guillemot, Samuel Humez
Résistante – mémoires d’une femme, de la Résistance à la déportation
Neuilly-sur-Seine 2009 (Französisch)

Gisèle Guillemot
(Entre parenthèses)
De Colombelles (Calvados) à Mauthausen (Autriche), 1943-1945
Paris 2001 (Französisch)

Alain Resnais
Nuit et Bruillard
Film, F 1955



 
Gisèle Guillemot
Zitate
2002

Gisèle Guillemot war ab ihrem 18. Lebensjahr im Widerstand in Frankreich. Die kommunistische Widerstandsgruppe, der sie angehörte, verbreitete Flugblätter und beteiligte sich an Sabotageakten gegen die Nazis. Mit 21 Jahren wird Gisèle Guillemot von der Gestapo verhaftet und deportiert. In einem Interview von 2002 spricht sie über den Widerstand und die Solidarität unter den politischen Gefangenen in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Mauthausen.

Auf Basis des „Nacht und Nebel“-Erlasses von 1941 wurden des Widerstandes verdächtigte Personen aus dem besetzten Frankreich und anderen besetzten Ländern in das „Deutsche Reich“ deportiert. Dort verurteilte man sie zu Tode oder verschleppte sie ohne Urteil in Konzentrationslager. Gekennzeichnet mit dem Attribut „Nacht und Nebel“ war diesen Gefangenen der Schriftwechsel im KZ untersagt. Ihr spurloses Verschwinden sollte die Bevölkerung der besetzten Länder in Angst und Schrecken versetzen.


Zitate Gisèle Guillemot

NN – „Nacht und Nebel“

Ich war „NN“, das bedeutete „Nacht und Nebel“. Es war eine Gruppe von Leuten, die dazu ausersehen waren zu verschwinden. Ich habe viel Glück gehabt, NN gewesen zu sein. Natürlich liefen wir immer Gefahr, hingerichtet zu werden, aber in Ravensbrück hatten sie einen NN-Block geschaffen. In diesem Block gab es nur Widerstandskämpferinnen, Französinnen und Belgierinnen, und wir sprachen die gleiche Sprache. Das war in Ravensbrück wahnsinnig wichtig, weil, ich weiß nicht, wie viele Nationalitäten es dort gab. Man sprach über 20 Sprachen.

Solidarität im Lager

Der ganze Block beteiligte sich an der Solidarität. Das bestand darin, jede Woche eine unserer Rationen herzugeben, weil wir pro Tag ein Stück Brot, schwarzen Kaffee und dann eine Suppe bekamen. Ganz am Anfang erhielten wir noch einmal in der Woche einen Sack mit fünf oder sechs Erdäpfeln drinnen, so im Wasser gekocht. Aber die Brot-Ration verkleinerte sich zusehends, je weiter die Alliierten vorrückten. Folglich war die Solidarität hart.

Aber das war sehr organisiert. Eine Gruppe kümmerte sich um das Einsammeln, die andere um die Verteilung und es wurde unter den Schwächsten aufgeteilt. Es war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nichts Lebensrettendes. Aber psychologisch war es sehr wichtig, für die Geberinnen, die das Gefühl hatten, menschlich zu bleiben und Teil einer Gemeinschaft zu sein, und dann für die Empfängerinnen, die den Eindruck hatten, nicht verlassen zu sein. Es war wirklich sehr wichtig.

Außerdem bestand die Solidarität nicht nur darin zu geben, was man nicht hatte, es war eine Solidarität im alltäglichen Umgang. Wenn eine unserer Kameradinnen sich zum Beispiel nicht mehr waschen ging, weil sie physisch und psychisch am Ende war, sagten wir zu ihr: „Du musst Dich waschen, kannst Dich nicht so gehen lassen. Los, komm!“ Wir nahmen sie mit in den Waschraum. Wir zwangen sie, sich zu waschen und zu frisieren. Wir bauten ihre Moral wieder auf.


Biografie Gisèle Guillemot


Quelle
Gisèle Guillemot im Gespräch mit Julia Montredon (Audio- und Video-Interview)
1. August 2002, Seillans, Frankreich
Originalsprache Französisch
Transkript: Deutsche Übersetzung von Karin Stoegner


Archiv
Sammlungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
AMM OH/ZP1/331


Literatur

Gisèle Guillemot, Samuel Humez
Résistante – mémoires d’une femme, de la Résistance à la déportation
Neuilly-sur-Seine 2009 (Französisch)

Gisèle Guillemot
(Entre parenthèses)
De Colombelles (Calvados) à Mauthausen (Autriche), 1943-1945
Paris 2001 (Französisch)

Alain Resnais
Nuit et Bruillard
Film, F 1955



 
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