Kritisieren als Widerstand

Anna Čadia
Zitate
1988

Das Titelblatt der „Stimme der Frau“ von 1988 zeigt Anna Čadia. In der Zeitschrift ist über sie ein Artikel. Margitta Kaltenegger schreibt darin über die „Rote Fürsorgerin“ und ihren mutigen Einsatz für die Armen und Schwachen in den 1930er- und 1940er-Jahren. Margitta Kaltenegger führte 1988 mit Anna Čadia auch ein öffentliches Gespräch im Volkshaus Graz. Anna Čadia erzählt über die politische Arbeit bei der Roten Hilfe und betont, wie wichtig Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft im Widerstand sind. Die „Stimme der Frau“ war die älteste Frauenzeitschrift Österreichs (1945-1993 erschienen).


Antifaschistischer Weltkongress in Paris, 1934

Im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit bin ich 1934 als Delegierte zum Weltkongress gegen Faschismus und Krieg nach Paris geschickt worden. Ich habe bei der Roten Hilfe mitgearbeitet. Da ist gesammelt worden, auch in Betrieben, und diese Gelder sind dann an Familien, deren Väter oder Mütter eingesperrt waren, verteilt worden. Der Kongress hat 3 Tage gedauert, er war stark besucht, die Begeisterung war groß und ich habe bei diesem Kongress viel gelernt und auch verschiedene Leute kennengelernt. In Deutschland war schon seit 1933 die Hitlerdiktatur. Aber niemand hätte geahnt, dass in Österreich Hitler dann diese Plattform finden würde. Man hat gehofft, dass der Kampf gegen den Faschismus einen solchen Auftrieb gewinnt, dass es niemals einen Faschismus in Österreich geben kann.

Was haben Sie davon, wenn Sie mich einsperren?

Nachdem ich heimgekommen bin, ist meine Tätigkeit durch Spionage bekannt geworden. Ich bin verhaftet worden und 5 Wochen gesessen. Nachweisen haben sie mir ja eigentlich nichts Richtiges können, aber dann haben sie eine 3-monatige Polizeihaft ausgesprochen und die hätte ich 1935 antreten sollen. Da bin ich einfach kerzengrad zu einem Christlichsozialen in Leoben gegangen und habe ihn gefragt: „Was haben Sie davon, wenn Sie mich 3 Monate einsperren? Ich habe ein Kind zu versorgen und das Kind muss dann ja von der öffentlichen Hand versorgt werden.“ Dann hat er es zuwege gebracht, dass mir diese 3 Monate geschenkt worden sind.

Man soll nicht nachgeben und stets kämpfen

Man soll also nicht nachgeben und man soll stets kämpfen dafür, dass man jeden stellt, unter vier Augen auch, und ihm die Situation, das Unrecht vorhält. Das habe ich erreicht, aber ich habe auch gewusst, an wen ich mich wende, dieser Mann war unter den Christlichsozialen ein „weißer Rabe“.


Biografie Anna Čadia


Quelle
Anna Čadia im Gespräch mit Margitta Kaltenegger im Volkshaus Graz
Audioaufnahme und Transkription
1988


Archiv
Privatarchive Lisbeth Hornik und Ernest Kaltenegger Graz

Literatur
Margitta Kaltenegger
„Die rote Fürsorgerin“
Artikel über Anna Čadia
In: Stimme der Frau, Nr. 5, Mai 1988



Abbildung
Anna Čadia, 1988, am Cover der Zeitschrift: Stimme der Frau, Zeitschrift der kommunistischen Frauenbewegung in Österreich
Foto: Margitta Kaltenegger


Archiv
Privatarchiv Eva Schmeiser-Čadia
 
wert
Top