Überzeugen als Widerstand

Edith Gadawits
Zitate
1984

Edith Gadawits engagierte sich im Kommunistischen Jugendverband (KJV) und in der „Gruppe Soldatenrat”. Mit 18 Jahren gehörte sie zu den Jüngsten aus dieser Widerstandsgruppe. 1943-44 war Edith Gadawits sieben Monate lang in der Todeszelle im Wiener Landesgericht, bevor ihr Todesurteil in „12 Jahre Zuchthaus“ umgewandelt wurde. Im Gespräch mit Elisabeth Holzinger problematisiert Edith Gadawits die offiziellen Briefe aus der Haft, bei denen man nicht vergessen darf, dass sie „an der Zensur vorbei“ geschrieben werden mussten. Die Gefangenen konnten nicht (alles) mitteilen, was sie bewegte.


„In erster Linie ist immer das Politische gestanden“

Bei einer Diskussion über das Buch „Zum Tode verurteilt“ habe ich gesagt, diese menschlich tief ergreifenden Dokumente spiegeln in Wirklichkeit nicht das, was vorgegangen ist. In erster Linie ist immer das Politische gestanden. Sonst hättest du ja deine ganze Vergangenheit negieren müssen. Auch wenn du nicht schreiben konntest darüber: in den offiziellen Briefen konntest du ja nur Familiensachen schreiben – in der Diskussion dort hat sichs nur ums Politische gedreht. In der Todeszelle hast du ja gar nicht gerechnet, dass du anders herauskommst. Du hast also nur gehofft, dass der Krieg zu Ende ist. Alles war nur ausgerichtet darauf, dein ganzes Leben.

Wenn du einen Brief nach Hause geschrieben hast, den hast du natürlich füllen müssen bis zur letzten Zeile, die haben ja gewartet darauf. Du hast dir oft schrecklich schwer getan, den Brief vollzufüllen mit lauter persönlichen Dingen, weil das waren ja gar nicht die Dinge, die dich bewegt haben. Natürlich hast du wissen wollen, wie es ihnen geht, wie sie leben. Aber primär hat dich doch interessiert, wie schaut die Welt aus? Wo steht die Front, wo sind sie schon? Das konnte ich natürlich in einen offiziellen Brief nicht schreiben. Darum sind die offiziellen Briefe sehr problematisch, weil die das gar nicht widerspiegeln können, was dich wirklich bewegt hat.


Biografie Edith Gadawits


Objekt
Zitate Edith Gadawits
1983
Tonaufnahme und Transkription


Archiv
Privatarchiv Projektgruppe Frauen im Widerstand:
Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lisbeth N. Trallori, Lotte Podgornik (Transkript)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Tonkassetten)


Literatur

Herbert Steiner
Zum Tode verurteilt
Wien 1964

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.)
„Mein Kopf wird euch auch nicht retten“
Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft
Wien 2016

Willi Weinert
„Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“
Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40
Wien 2004
 
wert
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