Überzeugen als Widerstand

Edith Gadawits
Zitate
1983

Edith Gadawits engagierte sich im Kommunistischen Jugendverband (KJV) und in der „Gruppe Soldatenrat“. Mit 18 Jahren gehörte sie zu den Jüngsten aus dieser Widerstandsgruppe. 1943-44 war Edith Gadawits sieben Monate lang in der Todeszelle im Wiener Landesgericht, bevor ihr Todesurteil in „12 Jahre Zuchthaus“ umgewandelt wurde. Im Gespräch mit Elisabeth Holzinger problematisiert Edith Gadawits die offiziellen Briefe aus der Haft, bei denen man nicht vergessen darf, dass sie „an der Zensur vorbei“ geschrieben werden mussten. Die Gefangenen konnten nicht (alles) mitteilen, was sie bewegte.


„In erster Linie ist immer das Politische gestanden“

Bei einer Diskussion über das Buch „Zum Tode verurteilt“ habe ich gesagt, diese menschlich tief ergreifenden Dokumente spiegeln in Wirklichkeit gar nicht das, was vorgegangen ist. In erster Linie ist immer das Politische gestanden. Sonst hättest du ja dein ganzes voriges Leben sozusagen negiert. Auch wenn du nicht schreiben konntest darüber – in den offiziellen Briefen konntest du ja nur Familiensachen schreiben – aber dort in der Diskussion hat sich’s nur um Politik gedreht. In der Todeszelle hast du ja gar nicht gerechnet, dass du anders herauskommst. Du hast also nur gehofft, wann der Krieg zu Ende ist. Alles war eigentlich nur ausgerichtet darauf, dein ganzes Denken.

Wenn wir einen offiziellen Brief nach Hause geschrieben haben, den hast du natürlich füllen müssen bis zur letzten Zeile, weil sonst wären ja die Angehörigen enttäuscht gewesen, die haben doch gewartet darauf. Du hast dir oft schrecklich schwer getan, den Brief wirklich vollzufüllen mit lauter persönlichen Dingen, weil das waren ja gar nicht die Dinge, die dich primär interessiert haben. Natürlich hast du wissen wollen, wie es ihnen geht, wie sie leben. Aber primär hat dich doch interessiert, wie schaut die Welt aus? Wo steht die Front, wo sind sie schon? Das konntest du natürlich in einen offiziellen Brief alles nicht schreiben. Darum sind diese offiziellen Briefe höchst problematisch, weil die das einfach nicht widerspiegeln können, was dich wirklich bewegt hat.


Biografie Edith Gadawits


Objekt
Zitate von Edith Gadawits im Gespräch mit Elisabeth Holzinger (Audio-Interview)
1983, Wien


Archive
Privatarchiv Projektgruppe Frauen im Widerstand:
Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lisbeth N. Trallori, Lotte Podgornik (Transkript)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Tonkassetten)


Literatur

Herbert Steiner
Zum Tode verurteilt
Österreicher gegen Hitler
Eine Dokumentation
Wien 1964

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.)
„Mein Kopf wird euch auch nicht retten“
Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft
Wien 2016

Willi Weinert
„Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“
Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40
Wien 2004
Edith Gadawits
Zitate
1983

Edith Gadawits engagierte sich im Kommunistischen Jugendverband (KJV) und in der „Gruppe Soldatenrat“. Mit 18 Jahren gehörte sie zu den Jüngsten aus dieser Widerstandsgruppe. 1943-44 war Edith Gadawits sieben Monate lang in der Todeszelle im Wiener Landesgericht, bevor ihr Todesurteil in „12 Jahre Zuchthaus“ umgewandelt wurde. Im Gespräch mit Elisabeth Holzinger problematisiert Edith Gadawits die offiziellen Briefe aus der Haft, bei denen man nicht vergessen darf, dass sie „an der Zensur vorbei“ geschrieben werden mussten. Die Gefangenen konnten nicht (alles) mitteilen, was sie bewegte.


„In erster Linie ist immer das Politische gestanden“

Bei einer Diskussion über das Buch „Zum Tode verurteilt“ habe ich gesagt, diese menschlich tief ergreifenden Dokumente spiegeln in Wirklichkeit gar nicht das, was vorgegangen ist. In erster Linie ist immer das Politische gestanden. Sonst hättest du ja dein ganzes voriges Leben sozusagen negiert. Auch wenn du nicht schreiben konntest darüber – in den offiziellen Briefen konntest du ja nur Familiensachen schreiben – aber dort in der Diskussion hat sich’s nur um Politik gedreht. In der Todeszelle hast du ja gar nicht gerechnet, dass du anders herauskommst. Du hast also nur gehofft, wann der Krieg zu Ende ist. Alles war eigentlich nur ausgerichtet darauf, dein ganzes Denken.

Wenn wir einen offiziellen Brief nach Hause geschrieben haben, den hast du natürlich füllen müssen bis zur letzten Zeile, weil sonst wären ja die Angehörigen enttäuscht gewesen, die haben doch gewartet darauf. Du hast dir oft schrecklich schwer getan, den Brief wirklich vollzufüllen mit lauter persönlichen Dingen, weil das waren ja gar nicht die Dinge, die dich primär interessiert haben. Natürlich hast du wissen wollen, wie es ihnen geht, wie sie leben. Aber primär hat dich doch interessiert, wie schaut die Welt aus? Wo steht die Front, wo sind sie schon? Das konntest du natürlich in einen offiziellen Brief alles nicht schreiben. Darum sind diese offiziellen Briefe höchst problematisch, weil die das einfach nicht widerspiegeln können, was dich wirklich bewegt hat.


Biografie Edith Gadawits


Objekt
Zitate von Edith Gadawits im Gespräch mit Elisabeth Holzinger (Audio-Interview)
1983, Wien


Archive
Privatarchiv Projektgruppe Frauen im Widerstand:
Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lisbeth N. Trallori, Lotte Podgornik (Transkript)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Tonkassetten)


Literatur

Herbert Steiner
Zum Tode verurteilt
Österreicher gegen Hitler
Eine Dokumentation
Wien 1964

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.)
„Mein Kopf wird euch auch nicht retten“
Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft
Wien 2016

Willi Weinert
„Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“
Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40
Wien 2004
wert
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