Lebensgeschichten

Gruppe Soldatenrat

Die Gruppe von Jugendlichen und jungen Frauen und Männern entstand aus dem Kommunistischen Jugendverband (KJV). Der Name „Soldatenrat“ wurde der Gruppe von der „Geheimen Staatspolizei“ (Gestapo) nach der von ihnen herausgegebenen Flugschrift gegeben. Die Gruppe verfasste und vervielfältige Flugzettel und Zeitschriften („Soldatenrat“, „Rote Jugend“) und verteilte und verschickte diese per Feldpost. In den Feldpostbriefen wurden Wehrmachtsoldaten aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen und nicht mehr beim Krieg des Nazi-Regimes mitzumachen. Außerdem wurden Sabotageakte geplant, um die Kriegsproduk­tion zu aufzuhalten. Die Jugendlichen sammelten Zelluloidabfälle, die leicht brennbar waren. Daraus wurden Brandsätze hergestellt, die zum Beispiel am Wiener Westbahnhof, in der Nazipropagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ (1942) oder in Postbriefkästen deponiert werden sollten.

Von 1941 bis 1943 kam es zu mehreren Verhaftungswellen durch die „Geheime Staatspolizei“ (Gestapo), die in die Gruppe Spitzel eingeschleust hatte (Hedrich 1984: 13-16, Tidl 1976: 34ff, 108). Nur einige wenige der Aktivist*innen entgingen – dank der Widerstandskraft der Verfolgten und Gefolterten, aber auch dank der organisierten Konspirativität – den brutalen Verhören und der Hinrichtung im Wiener Landesgericht.

Das Nazi-Regime mit Zuchthausstrafen überlebt haben: Edith Gadawits (geboren 1924, später Edith Schober), Gertrude Hausner (geboren 1922), Anna Senhofer (geboren 1923), Ernestine Soucek (geboren 1892), Sophie Vitek (geboren 1919)

Von den Nazis zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden: Ernestine Diwisch (23 Jahre), Alfred Fenz (23 Jahre), Anna Gräf (18 Jahre), Elfriede Hartmann (22 Jahre), Rosa Hofmann (23 Jahre), Felix Imre (25 Jahre), Walter Kämpf (23 Jahre), Leopoldine Kovarik (24 Jahre), Rudolf Mašl (23 Jahre), Friedrich Mastny (22 Jahre), Friedrich Muzyka (23 Jahre), Alfred Rabofsky (25 Jahre), Franz Reingruber (22 Jahre), Leopoldine Sicka (19 Jahre), Franz Sikuta (22 Jahre), Anna Wala (53 Jahre).

Viele Details der Gruppe sind noch immer unklar. Die Geschichte ist auch deswegen schwer zu rekonstruieren, da so viele ihrer Mitglieder umgebracht wurden und von vielen Aktivist*innen lediglich Gestapo-Akten erhalten sind.


Quellen

Bundesarchiv
R3017/22900

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
629; 2424
Flugblattsammlung 4063/33; 4063/4; 4074/221
​Interview 226 (Erna Hedrich, Teil III), Transkript, 06.11.1984


Literatur

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.): „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände, Wien: Wiener Stern Verlag 2016

Maria Szecsi, Karl Stadler: Die NS-Justiz in Österreich und ihre Opfer, Wien/München: Herold 1962.

Marie Tidl: Die Roten Studenten. Dokumente und Erinnerungen 1938-1945 (Materialien zur Arbeiterbewegung 3), Wien: Europaverlag 1976.

Willi Weinert: „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40, Wien 2004.

 
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