Kritisieren 
Schlagt!

  
Aktionen der Protagonistinnen
 
Ana Antić und Judith Umathum waren Teil der Demonstration „Aus mit Raus“. Gemeinsam mit anderen Schüler*innen des borg3 Wien demonstrierten sie 2010 gegen die Abschiebung einer Mitschülerin. Die selbstorganisierte Demonstration führte zur Beteiligung weiterer Schulen und hatte großes mediales Echo. 
 
Rúbia Salgado befasste sich mit Mordechaj Gebirtigs jiddischem Lied „Es brent“. In Referenz auf sein Lied von 1938 schrieb sie ihr Gedicht „Schlagt!“. 2017 trug sie es am Wiener Heldenplatz bei der Demonstration gegen die Türkis-Blaue Regierung vor. Unten steht eine gekürzte Version des Gedichts.
 
Die Protagonistinnen suchten historische Materialien aus: Schriften, Fotos, Interviews, Gedichte und Lieder aus dem Widerstand gegen die Nazis. Sie dachten über den vergangenen Widerstand nach und holten ihn in die Gegenwart, indem sie aktuelle Bezüge herstellten: zur eigenen Lebenssituation, zur eigenen Geschichte, zum eigenen politischen Engagement. Die Ergebnisse waren so unterschiedlich wie die historischen Materialien: eine Graffitiserie, ein Lied, eine Erzählung, eine Kritik, eine Forderung, eine Demonstration. 
 
Schlagt! 
Rúbia Salgado, 2017
 
Schlagt! Schlagt alle Glocken in dieser Stadt, schlagt! 
Es brennt! 
Lang brennt es, heute nicht vergleichbar zum Damals des Liedes, jedoch brennt es. 
Dachte ich. […] 
Versteckt war zuerst die Vergangenheit einiger Zeilen, aus der Zeit im Vorher, im andauernden Vorher. Die Vergangenheit der Zeilen im Textgegenwartsgewebe: Auf der Straße liegende, alte, erkrankte Arme, have-nots, excluídos. Der Rest. […]
 
Bauernschmankerlbund, Pfarrwirtshund, Kartoffelkäsemund, Gurkenerntewund, Wirtschaftsgräuelbund, Frauen am Herd im Hintergrund, Häuselbauergrund.
Gegen Altersarmut: Eigentum. […]
Gürtelziehen, Gürtelziehen. Eine Runde noch. Festhalten, denn noch stärker der Schub. Again: Burschenschaften, Schnitzel, Bier, Zelt. 
Kornblume. […]
 
Schlagt! Schlagt alle Glocken keines Gottes, schlagt! 
Verkündet die Ankunft der neuen Gerechtigkeit.
Denn, im Tanzen unter uns die Leichen, im Tanzen unter uns die Leichen. […]
 
Im Chor der Anonymität verstimmen tausende Leichen das Lied und zerklettern Zäune Berge Meere Mauern Türme schlagen die Glocken der Stadt. […]
 
Mitten in Parndorf,
mitten in Budapest,
mitten in Wien, 
mitten in Linz und Eisenstadt.
Mitten in Österreich.
Mitten in Österreich mitten in Jetzt mitten in Vergangenheit schlagen
Leichen tanzend singend die Glocken aller Türme dieser Stadt.
Schlagt! Schlagt die Glocken, unser Städtchen brennt!
 
wert
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