Kritisieren als Widerstand

Es brent, briderlekh, es brent!
Mordechai Gebirtig
1938, Polen

Dieses Lied wurde 1938 in Polen gedichtet und komponiert. Mordechai Gebirtig, geboren 1877 in Krakau, schrieb es in Reaktion auf die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. 1942 wurde er im Krakauer Ghetto von den Nazis ermordet. „Es brent“ kritisiert das Zusehen und Geschehenlassen. Das Lied ruft auf zum Widerstand gegen Verfolgung und Misshandlung. Rückblickend geht es in der dritten Strophe des Liedes um die Shoah, die Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen. Deshalb erscheint diese Strophe heute prophetisch: „Es kann der Moment kommen, dass unsere Stadt mit uns zusammen, wird zu Asche werden durch die Flammen“. „Es brent“ ist eines der bekanntesten Lieder jüdischen Widerstandes und wird bis heute gesungen.


Es brennt

Deutsche Übersetzung

Es brennt, Brüder, es brennt!
Ach, unser armes Städtchen – Gott behüte – brennt!
Böse Winde mit ihrem Brausen
Zerren, brechen und zerzausen
Stärker werden die wilden Flammen
Alles rundum schon brennt!
Und ihr steht und schaut umher mit verschränkten Armen,
Und ihr steht und schaut umher, unser Städtchen brennt!

Es brennt, Brüder, es brennt!
Ach, unser armes Städtchen – Gott behüte – brennt!
Es haben schon die Feuerzungen
Das ganze Städtchen eingehüllt,
Und die bösen Winde wüten
Das ganze Städtchen brennt!
Und ihr steht und schaut umher mit verschränkten Armen,
Und ihr steht und schaut umher, unser Städtchen brennt!

Es brennt, Brüder, es brennt!
Ach, es kann – Gott bewahre – der Moment kommen:
Dass unsere Stadt mit uns zusammen
Wird zu Asche werden durch die Flammen,
Übrig bleiben – wie nach einer Schlacht –
Werden nur kahle schwarze Mauern!
Und ihr steht und schaut umher mit verschränkten Armen,
Und ihr steht und schaut umher, unser Städtchen brennt!

Es brennt, Brüder, es brennt!
Helfen könnt ihr nur euch selbst!
Wenn euch das Städtchen teuer ist,
Nehmt Gefäße, löscht das Feuer,
Löscht mit eurem eigenen Blut,
Beweist, dass ihr das könnt!
Steht nicht, Brüder, so umher mit verschränkten Armen,
Steht nicht, Brüder, löscht das Feuer! Unser Städtchen brennt!


Es brent

Original, Jiddisch

Es brent, briderlekh, es brent!
Oy, undzer orem shtetl, nebekh, brent!
Beyze vintn mit irgazon,
Raysn, brekhn un tseblozn
Shtarker nokh di vilde flamen,
Alts arum shoyn brent,
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Mit farleygte hent.
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Undzer shtetl brent.

Es brent, briderlekh, es brent!
Oy undzer orem shtetl, nebekh, brent!
Es hobn shoyn di fayertsungen
Dos gantse shtetl ayngeshlungen.
Un di beyze vintn huzhen,
Alts arum shoyn brent,
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Mit farleygte hent.
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Undzer shtetl brent.

Es brent, briderlekh, es brent!
Oy, es ken, kholile, kumen der moment,
Undzer shtot mit undz tsuzamen
Zol af ash avek in flamen,
Blaybn zol, vi nokh a shlakht,
Nor puste, shvartse vent.
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Mit farleygte hent.
Un ir shteyt un kukt azoy zikh,
Undzer shtetl brent.

Es brent, briderlekh, es brent!
Di hilf iz nor in aykh aleyn gevent,
Oyb dos shtetl iz aykh tayer,
Nemt di keylim, lesht dos fayer,
Lesht mit ayer eygn blut,
Bavayzt, az ir dos kent.
Shteyt nit, brider, ot azoy zikh
Mit farleygte hent,
Shteyt nit, brider, lesht dos fayer,
Undzer shtetl brent!

Objekt
Es brent
Lied, Original auf Jiddisch
1938, Polen
Mordechai Gebirtig, Text und Komposition
Interpretation Alif Luna



Quellen
Benjamin Ortmeyer, Gesellschaft gegen Antisemitismus (Hg.)
Jiddische Lieder gegen die Nazis
Frankfurt/M 1996
Liedtext Deutsch
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wert
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