Lebensgeschichten

Anna Čadia

1903 – 2001
Rote Hilfe
Sammeln von Geldern
KZ Ravensbrück

Anna Čadia wird am 18. Dezember 1903 in Graz geboren. Sie wächst in einer 7-köpfigen Arbeiterfamilie auf. Der Vater stirbt früh, die älteren Kinder helfen der Mutter beim Geld verdienen. Die Arbeit am Bauernhof, wo Anna Čadia auch wohnt, „damit daheim ein Esser weniger ist“, prägt sie. „Mit vier Jahren habe ich zu denken angefangen“, sagt sie später. Als Jugendliche begeistert sie sich für die russische Revolution. Sie bricht die Schule ab, arbeitet in Fabriken, bringt das Geld für die kranke Mutter heim.

Da sie gut mit Kindern umgehen kann, erhält sie ein Stipendium und besucht die Fürsorgerinnenschule in Graz. Als Fürsorgerin in Leoben setzt sie sich dann besonders für Frauen und Mädchen ein. Schon früh bekommt Anna Čadia ihre Tochter Mila, entscheidet sich aber gegen die Ehe mit dem Kindesvater aus Jugoslawien, um Staatsbürgerschaft und Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

Anna Čadia engagiert sich in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Kommunistischen Partei. 1934 wird sie das erste Mal verhaftet und verliert ihre Arbeit als Fürsorgerin. Im gleichen Jahr reist sie als Delegierte zum Weltkongress gegen Faschismus und Krieg nach Paris. Sie findet eine Stelle in der Leobener Arbeiterbäckerei. 1938 ist sie in einer Widerstandsgruppe der „Roten Hilfe“ aktiv. Sie sammelt Gelder für politisch Verfolgte und ihre Familien. Ihre Gruppe wird verraten und sie selbst am 20. Mai 1940 verhaftet. Anna Čadia wird von der Gestapo verhört und eineinhalb Jahre im Landesgericht Graz eingesperrt. Das Urteil lautet auf „Vorbereitung zum Hochverrat“.

Auch der Mann ihrer Schwester Franzi, Josef Motschnik, genannt „Pepsch“, ist dort inhaftiert. Er hat in seinem Betrieb eine Gruppe der „Roten Hilfe“ aufgebaut. Anna Čadias Tochter Mila wächst nach ihrer Verhaftung bei Franzi auf. 1943 wird Josef Motschnik im Wiener Landesgericht geköpft. Anna Čadia wird 1942 ins KZ Ravensbrück gebracht. Im Lager ist sie Teil des kommunistischen Widerstandes und hilft kranken Mit­gefangenen. 1945, kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee, entflieht sie mit einer Gruppe von Frauen und Mädchen dem SS-Todesmarsch. Zu Fuß kehrt sie nach Graz zurück. Sie arbeitet im Kulturamt der Landesregierung, leitet dann das Grazer Kinderheim und ist schließlich bis zu ihrer Pensionierung 1964 Mitarbeiterin der Zentral­fürsorgestelle in Graz.


Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes

7748 Steiermärkisches Landesarchiv
Pol-Dion-Graz-Polizeianhaltezentrum,  
Index Band 1 + Aufnahmebücher Band 1, 1940,
LG-LN-Vr-708-1933, 1933

Privatarchiv Eva Schmeiser-Čadia
wert
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