Lebensgeschichten

Elfriede Hartmann

1921 – 1943
Spitzname „Friedl“
Deckname „Paula“
KJV; „Gruppe Soldatenrat“

Elfriede Hartmann wird am 21. Mai 1921 als zweites Kind, nach ihrer Schwester Gerda (geboren 15. März 1911) in Wien geboren. Ihr Vater Alexander Hartmann ist Versicherungsbeamter und kommt aus einer jüdischen Familie, die aus Ungarn nach Wien zugewandert ist. 1909 tritt er zum evange­lischen Glauben über und heiratet die Handarbeitslehrerin Hermine Schäfer. Beide Kinder werden katholisch getauft.

Elfriede Hartmann besucht vier Jahre die Volksschule und macht 1939 am Gymnasium in der Billrothstraße die Matura. Danach arbeitet sie im Modehaus Fuchs, Meinl & Horn in der Wiener Innenstadt und in der Maschinen- und Dampfkesselarmaturen-Fabrik Hübner & Mayer in der Muthgasse.

Anfang 1940 beginnt sie ein Chemiestudium an der Universität Wien. Aufgrund der antisemi­tischen und rassistischen Gesetzgebung des Nazi-­Regimes wird sie jedoch nach ein paar Monaten Studium von der Universität ausgeschlossen. Sie gibt Mathematik-Nachhilfestunden und konzentriert sich auf die Widerstandsarbeit im Kommunistischen Jugendverband (KJV).

Elfriede Hartmann gehört zu den zentralen Figuren der „Gruppe Soldatenrat“. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern verfasst sie Flugschriften gegen die Nazis („Die Rote Jugend“, „Der Soldatenrat“) und verschickt diese an über 1000 Soldaten. Am 24. Februar 1942 wird Elfriede Hartmann von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) im Döblinger Park verhaftet.

Nach vielen Einvernahmen durch die Gestapo, bei denen sie versucht, andere Mitglieder der Gruppe, und vor allem ihren ebenfalls verhafteten Ver­lobten Rudolf Maschl zu schützen, wird sie am 22. September 1943 zum Tode verurteilt. Am 2. November 1943 wird Elfriede Hartmann im Alter von 22 Jahren im Wiener Landesgericht geköpft.


Quellen

Bundesarchiv
R3017-22901

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
20222; 21974


Literatur

Johanna Mertinz, Winfried Garscha (Hg.): Mut, Mut – noch lebe ich. Die Kassiber der Elfriede Hartmann aus der Gestapo-Haft. Wien: Mandelbaum Verlag 2013

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.): „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände, Wien: Wiener Stern Verlag 2016

Margarete Schütte-Lihotzky: Erinnerungen aus dem Widerstand“. Das kämpferische Leben einer Architektin 1938-1945, Wien: Promedia 1994.

Maria Szecsi, Karl Stadler: Die NS-Justiz in Österreich und ihre Opfer, Wien/München: Herold 1962.

Marie Tidl: Die Roten Studenten. Dokumente und Erinnerungen 1938-1945 (= Materialien zur Arbeiterbewegung 3), Wien: Europaverlag 1976.

Willi Weinert: „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40, Wien 2004.
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