Lebensgeschichten

Gertrude Hausner

1922 – ?
Später verheiratet:
Gertrude Springer
Spitzname „Trude“
KJV, „Gruppe Soldatenrat“


Gertrude Hausner wird am 28. Dezember 1922 in Wien geboren. Sie lebt mit zwei Schwestern, einem Bruder und ihren Eltern Franz und Rosalia Hausner in Wien Ottakring. Der Vater ist Metallarbeiter, die Mutter Schneiderin und im Haushalt tätig. Gertrude Hausner besucht je vier Jahre Volks- und Hauptschule und beginnt dann eine Lehre als Miedernäherin in der Firma Ella Merl am Salzgries 15. Als Kind aus einer Arbeiter*innenfamilie gehört sie Organisationen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an: Turnverein, Singschule, Rote Falken. Nach 1934, als die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und ihre Organisationen verboten werden, treffen sich die politisch engagierten Jugendlichen in einer Wandergruppe des Volksbildungsvereins.

1939 lernt Gertrude Hausner Jugendliche aus dem Kommunistischen Jugendverband (KJV), unter ihnen Elfriede Hartmann, kennen. Sie übernimmt den Auftrag, Informationsmaterial des KJV zu vervielfältigen und zu verteilen, u.a. die Zeitschriften Rote Jugend und Der Soldatenrat. Im Oktober 1941 wird Gertrude Hausner zum Reichsarbeitsdienst RAD einberufen. Sie arbeitet zunächst in der Landwirtschaft im steirischen Ruppersdorf und ab April 1942 als Straßenbahnschaffnerin in Dresden. Dort wird Gertrude Hausner am 15. Mai 1942 im Alter von 19 Jahren von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet.

Gemeinsam mit Edith Gadawits, Anna Senhofer und Felix Imre wird sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ angeklagt. Gertrude Hausner wird jedoch zu einer Haftstrafe und nicht zum Tode verurteilt wie Felix Imre und Edith Gadawits (deren Todesurteil später in eine Haftstrafe umgewandelt wird). Im Gefängnis Aichach lernt Gertrude Hausner die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky kennen und teilt mit dieser, als sie an Tuberkolose erkrankt, die Gefängniszelle.
 
Am 29. April 1945 befreien amerikanische Truppen die in Aichach Gefangenen. 1946 heiratet Gertrude Hausner den Kommunisten und Shoah-Überlebenden Paul Springer und 1948 kommt ihre Tochter Käthe zur Welt. Gertrude Hausner arbeitet bei der KPÖ und später auch in der Redaktion der Zeitschrift Stimme der Frau. Nach ihrer Pensionierung in den 1980er-Jahren ist sie weiterhin politisch aktiv und engagiert sich als Zeitzeugin in der Erinnerungsarbeit.


Quellen

Bundesarchiv
R3017/17293; R3017/23619
 
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
1488; 21487/2

Universität Wien

Literatur

Margarete Schütte-Lihotzky
Erinnerungen aus dem Widerstand
Das kämpferische Leben einer Architektin 1938 – 1945
Wien 1994, S. 155

Marie Tidl
Die Roten Studenten
Dokumente und Erinnerungen 1938 – 1945
Karl R. Stadler (Hg.)
Materialien zur Arbeiterbewegung Nr. 3
Wien 1976

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.)
„Mein Kopf wird euch auch nicht retten“
Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft
Wien 2016

Willi Weinert
„Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“
Wiener Zentralfriedhof – Gruppe 40
Wien 2004
wert
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