Lebensgeschichten

Hermine Žlatnik

1895 – ?
Geborene Lohwasser
Rote Hilfe
Unterstützung von Zwangsarbeitern

Hermine Žlatnik wird am 11.12.1895 in Wien geboren. Ihr Vater ist Arbeiter und engagiert sich bei den Sozialdemokraten, ihre Mutter „viel beschäftigte Hebamme“. Als Kind erlebt sie in der Volksschule einen aggressiven rechten Katholizismus. Sie heiratet früh, ihr Mann stirbt jedoch 1918 im ersten Weltkrieg. Um 1936 findet Hermine Žlatnik wieder einen Partner, einen polnischen Juden, den sie sehr liebt. 1938 muss er jedoch nach Amerika flüchten.

Hermine Žlatnik ist ab 1917 bei der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, ab 1927 bei der KPÖ aktiv. Sie arbeitet als Büroangestellte in der Ver­sicherung Anglo Elementar und engagiert sich im Rahmen der „Roten Hilfe“. Als immer mehr Kollegen und Kolleginnen zu Nazis werden, versucht sie sie umzustimmen, so zum Beispiel am 30. April 1938 mit einem Brief an ihren Kollegen Leo Watzek.

Am 1. September 1939 wird in der Anglo Elementar gemeinsam die Reichstagsrede Adolf Hitlers mit der Kriegserklärung an Polen angehört. Als Hermine Žlatnik im Anschluss an die Rede den Hitlergruß und das Singen des Horst-Wessel-Liedes verweigert, zeigt man sie bei der Gestapo an. Sie wird noch am selben Tag verhaftet, bei einer Hausdurchsuchung werden etliche kommunistische Schriften und der Brief an Leo Watzek gefunden. Am 9. Oktober wird sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einem Jahr Gefängnis ver­urteilt.

Wieder in Freiheit, findet sie dauerhaft Arbeit in der Firma „Wiener Glas“, in der das Betriebsklima im Gegensatz zur Anglo Elementar weniger strikt nationalsozialistisch geprägt ist. Ab 1942 werden in der Firma auch Kriegsgefangene zur Zwangs­arbeit eingesetzt. Hermine Žlatnik sammelt Brot und bringt den Arbeitern selbstgekochte Mahl­zeiten. Die Kollegen in der „Wiener Glas“ halten dicht und helfen mit.

Hermine Žlatnik hat mit den Zwangsarbeitern der „Wiener Glas“ engen Kontakt. Den sowjetischen Kriegsgefangenen Wladimir Maslakow und Wladimir Moson ist sie eine „Schwester“ und teilt deren politische Einstellung. Mit dem französischen Zwangsarbeiter Roger Avril hat Hermine Žlatnik zudem ein Liebesverhältnis. Die Kollegen wissen davon, halten aber weiter dicht. Auch ihre Nachbarin, Frau Hufnagl, „hilft mit Lebensmittel und mit Liebe aus“.

Gemeinsam mit Direktor Freudorfer, Kollegen aus der „Wiener Glas“ und dem serbischen Kriegsgefangenen Robert Rhinovski verhilft Hermine Žlatnik Wladimir Maslakow und Wladimir Moson zur Flucht und zu falschen Papieren.

Mit Roger Avril will sie zu den Partisanen, es kommt jedoch ein Autounfall dazwischen. Hermine Žlatnik liegt mit einem Schädelbasisbruch im Allgemeinen Krankenhaus und muss anschließend zur Reha in ein Erholungsheim bei Stockerau. Als die Rote Armee endlich in Wien einzieht und die Nazis die Flucht ergreifen, kommt sie wieder nach Hause.

Roger Avril, der Frau und Kind in Frankreich hat, lässt zum Bedauern von Hermine Žlatnik nach Kriegsende nichts mehr von sich hören. Von Wladimir Moson nimmt sie an, er hat die Heimkehr in die Sowjetunion nicht geschafft. Wladimir Maslakow und seine Familie stehen hingegen auch nach 1945 noch lange Jahre in Kontakt mit Hermine Žlatnik und sie besuchen sich gegenseitig mit Freunden in Österreich und der UDSSR.


Quellen

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
194, 5558/A, 5558/B, 7662, 20000/Z89


 
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