Lebensgeschichten

Rosa Hofmann

1919 – 1943
Deckname „Ratzi“
KJV, „Gruppe Soldatenrat“

Rosa Hofmann wird am 27. Mai 1919 in Wilhering bei Linz geboren. Sie ist das dritte von vier Kindern und wohnt mit ihren Eltern Cäcilia und Josef Hofmann in Salzburg Maxglan. Der Vater ist bei der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und arbeitet in der Brauerei Stiegl als Fassbinder. Als er 1932 von seiner Entlassung erfährt, nimmt er sich das Leben. Cäcilia Hofmann muss nun als Hilfsarbeiterin den Lebensunterhalt für die Familie allein verdienen. Ihre Kinder tragen bald dazu bei: Die Söhne Josef und Anton Hofmann als Maler und Schlosser, die Töchter Theresia und Rosa Hofmann als Hausgehilfin und Näherin.

Alle vier Geschwister Hofmann gehören sozialdemokratischen Jugendorganisationen an: Natur- und Kinderfreunde, Rote Falken. Auch nach 1934, als die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und ihre Organisationen verboten werden, suchen die Geschwister den Kontakt zu Gruppierungen der antifaschistischen Arbeiter*innenbewegung. Rosa Hofmann ist ab 1936/37 in einer sozialistischen Jugendgruppe in Salzburg Itzling aktiv und organisiert Treffen mit politischen Vorträgen. Dann engagiert sie sich im Kommunistischen Jugendverband (KJV).

1941 übernimmt Rosa Hofmann die Leitung des KJV Salzburg von Ernst Stoiber, ihrem Freund, der zur Wehrmacht eingezogen wird. Sie hat engen Kontakt zu Walter Kämpf und anderen jungen Genoss*innen aus dem KJV in Wien und Linz. Rosa Hofmann gehört zu den zentralen Figuren der „Gruppe Soldatenrat“. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern verfasst, vervielfältigt und verteilt sie Flugschriften gegen die Nazis (Rote Jugend, Kamerad! Soldat der deutschen Wehrmacht!, Der Soldatenrat). Die Schriften werden an Orten deponiert, die viele Soldaten besuchen, etwa auf Bahnhöfen, in Zugabteilen und Telefonzellen. Die Gruppe verschickt auch Briefe an Wehrmachtsoldaten in Kasernen und an der Front. Die Soldaten werden darin zur Desertion aufgerufen. Außerdem organisiert die Gruppe Sabotageakte und Brandanschläge, um kriegswichtige Einrichtungen (z.B. Bahnstrecken) lahmzulegen.

Am 17. April 1942 wird Rosa Hofmann von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Die Anklage lautet auf „Zersetzung der Wehrkraft des deutschen Volkes in Verbindung mit landesverräterischer Begünstigung des Feindes und Vorbereitung zum Hochverrat“. Nach vielen Verhören durch die Gestapo, bei denen Rosa Hofmann trotz schwerer Folterungen versucht, andere Mitglieder der Gruppe zu schützen, wird sie am 15. Dezember 1942 in Berlin zum Tode verurteilt.

In der Urteilsbegründung unterstreichen die Nazirichter Hartmann und Lorenz, dass Rosa Hofmann „in einer für eine Frau außerordentlich fanatischen und gefährlichen Weise versucht“ habe, „auf den Geist der deutschen Soldaten Einfluß zu gewinnen und ihn im kommunistischen Sinne zu zersetzen“. Sie habe „sich damit als eine so gewissenlose und zu verachtende Feindin ihres Volkes gekannzeichnet [Fehler im Original!], daß in dessen Reihen für sie kein Platz mehr ist.“ Am 9. März 1943 wird Rosa Hofmann im Alter von 23 Jahren in Berlin Plötzensee geköpft.


Quellen

Bundesarchiv
R3017/25280; R3017/25282

Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
0006; 3098

Alfred Klahr Gesellschaft


KZ-Verband Salzburg

Stolpersteine Salzburg

Literatur

Marie Tidl
Die Roten Studenten
Dokumente und Erinnerungen 1938 – 1945
Karl R. Stadler (Hg.)
Materialien zur Arbeiterbewegung Nr. 3
Wien 1976

Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.)
„Mein Kopf wird euch auch nicht retten“
Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft
Wien 2016




 
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